Since 2003, ACHTUNG Mode has been the German speaking world’s most fashion forward magazine. Working with the best and brightest creative team of stylists, photographers, artists and writers, the magazine spotlights the latest in fashion, design and culture in Germany and beyond. I teamed up as author-  writing about a new movement of Menswear designers from Lagos Nigeria - One of the main protagonists is Oyeyemi, the Creative Director of MaxiVive, whom I recently interviewed-  the result:  a text about Oyeyemis work and his impact on contemporary culture.

Ein bisschen Samt für den Mann

Klar, Crossdressing, Genderfluid und Androgyn, die Ablehnung heteronormativer Vorstellungen sind Themen, die seit geraumer Zeit im internationalen Diskurs geführt werden, doch der Nachdruck mit dem das in Lagos geschieht, zeigt  den Willen die Bedeutung von Maskulinität völlig neu zu verhandeln.  2007 wurde das Menswear Label MaxiVive von Papa Oyeyemi gegründet. Da war er noch keine zwanzig. Seither produziert er aus seinem Studio in Lagos, Nigeria. Der autodidaktische Designer steht für eine neue Riege an Designern aus Nigeria, die Konventionen der Männermode in Frage stellt und sich neue Freiräume in der Mode schafft. „In meiner Arbeit mache ich Mode und Kunst und versuche eine Stimme für etwas zu sein.“ sagt er und erklärt „Ich würde Maxi Vive als androgynes Label bezeichnen, das sich zwischen Mode, Kunst und Aktivismus verortet.“
Mit seinen androgynen Entwürfen stellt der junge Designer konventionelle Männermode in Frage.
Seine Entwürfe sind nie ohne Kontroversen geblieben. Auch seine aktuelle Kollektion entspricht nicht per se den gesellschaftlichen Werten Nigerias. Der neue Mann, den Oyeyemi hier portraitiert, ist romantisch flamboyant und denkt nicht daran, in der nächsten Zeit zu Sportswear oder massgeschneiderten Anzügen zurückzukehren. Die Harmattan 19 Kollektion mit dem Titel How to marry a billionaire versteht sich als Trip, durch aufwendig bestickte Stoffe, optische Täuschungen und Statements in fetten glitzernden Lettern wie Bad Bitch No Underwear, No Calls I Am Masturbating, This Dick Need A Privat Jet oder Buysexual, die um Themen wie Selbstbestimmung, Abhängigkeitsverhältnisse und vermeintlichen Reichtum kreisen. Das Explizit-Plakative vermischt Oyeyemi folgend mit Sinnlichkeit: Hosen aus Taft und Samt, Mäntel und Hemden, mit Kristallen und Perlen verziert, dazu reich besticktes Schwarz. Oyeyemi weiß um den schmalen Grat zwischen populärem und provokantem Design. „Ich wurde konditioniert Avantgarde sein“, sagt er ,“doch wenn du die Kollektionsstücke separat betrachtest, wirst du feststellen, dass jedes Teil der Kollektion auf der Strasse getragen werden kann.“
Mode zwischen Plakativität und Sinnlichkeit.
Schwer vorzustellen, dass seine Kreationen auf den Strassen Lagos getragen werden. In dem Land, indem gesellschaftliche Vorstellungen von Männlichkeit fest definiert scheinen. Als Mann trägst es sich weder flamboyant, noch feminin. Mode schöpft in Nigeria noch immer eher aus traditionellen Wertvorstellungen, als aus den wachsenden und lebendigen Untergrund-Kulturen. Doch es tut sich etwas, langsam doch stetig. Gerade in den letzten Jahren ist eine vitale junge Subkultur mit zahlreichen Subgenres entstanden. Es gibt eine Szene an jungen Designern, die inzwischen die LVMH Shortlist prägen.
Die Ästhetik des Labels MaxiVive reflektiert die gesellschaftliche Entwicklung, zu Gender Fluidity und Androgynität. Eines der stärksten Trends in der Gesellschaft und Mode des Westens. Dass die europäische Kreativ- und Kunstklientel MaxiVive ́s größte Käuferschaft bildet, obwohl seine Mode nur über Appointments und online mit einer kleinen Auswahl erhältlich ist, verwundert dann auch nicht mehr. „Ich denke, dass die ganzen Stereotypen über Maskulinität veraltet sind und remodifiziert werden müssen,“ sagt er und erklärt weiter „und das passiert gerade – Im Moment entwerfen wir einfach neu, was Maskulinität ist und bedeutet kann.“ 
Das Ziel: Grenzenlose Selbstentfaltung durch neu definierte Geschlechtsidentitäten.
Und Papa Oyeyemi schafft seine Visionen von Männlichkeit und verankert sie in die Realität seines Alltäglichkeiten. Seine Kollektionen bedeuten hier in Lagos mehr als grenzenlose Selbstentfaltung, oder die Sehnsucht, die eigene vorgegebene Geschlechtlichkeit zu verlassen. Es ist vielmehr das immer stärker Aufbegehren gegen gesetzte Definitionen von Geschlechtsidentität. Das Spektrum an verschiedenen Stilen erweitert sich “Es gibt eine wachsende Szene in Nigeria“, sagt er “aber noch nicht für das was ich hier versuche. Ich bin noch nicht da angekommen, wo ich sein will“, und fügt lachend hinzu, “Ich habe keine Eile.“





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